Jüdisches Museum München
St.-Jakobs-Platz 16
80331 München
e-mail juedisches.museum@muenchen.de
Mittwoch, 30. Mai, 2012
Mittwoch, 30. Mai 2012 19.00 Uhr
Ort: Historicum der LMU, Schellingstrasse 12, Raum 001
Eintritt frei
"A Historiker un a Kemfer: Emanuel Ringelblum in Varshever Geto"
von Samuel Kassow
Scholem Alejchem Vortrag des Lehrstuhls für Jüdische Geschichte und Kultur
Samuel Kassow, der in einem DP-Lager in Württemberg geboren wurde, ist Professor für Geschichte am Trinity College. Er hat als Gastprofessor u.a. in Moskau, Jerusalem, Harvard und Princeton unterrichtet. Professor Kassow hat zahlreiche Bücher zur russischen und jüdischen Geschichte geschrieben, darunter das bei Rowohlt auch in deutscher Übersetzung erschienene Buch Ringelblums Vermächtnis, über dessen Originalausgabe das amerikansiche Magazin The New Republic geschrieben hatte: "Das wichtigste Buch über Geschichte, das man jemals lesen kann."
Professor Kassow erzählt die Geschichte Emanuel Ringelblums, eines der bedeutendsten jungen Historiker der jüdischen Geschichte in Polen zwischen den Weltkriegen. Während der deutschen Besatzung gehörte er zu denjenigen, die nicht nur mit der Waffe, sondern mit der Feder Widerstand leisteten.
Er organisierte das geheime Ghettoarchiv, das der Nachwelt Zeugnis über das geschehene Unrecht bewahren sollte und bis 1943 bestand. Wenige Tage vor dem Beginn der sogenannten Großen Aussiedlung in das Vernichtungslager Treblinka im Juli wurde das Archiv an einem geheimen Ort im Ghetto vergraben.
Am 18. September 1946 entdeckten Suchtrupps unter dem Trümmerschutt des Hauses Nowolipki-Straße 68 Teile des Archivs, verborgen in zehn Metallkisten und mehreren Milchkannen: Tagebücher, Aufsätze, Gedichte, Erzählungen, Verordnungen, statistische Erhebungen, rund 35.000 Blatt - Dokumente des Lebens und Sterbens in Warschau dieser Jahre. Die Dokumente hatten mehr Glück zu überleben als die Menschen: Auch Ringelblum und seine Familie wurden im März 1944 von den Deutschen gefunden, gefoltert und ermordet.
Der Vortrag findet auf Jiddisch statt, also in der Sprache, in der Ringelblum geschrieben hat. Eine deutsche Zusammenfassung ist erhältlich.